Allein auf hoher See 
Querschnittgelähmter umsegelt die Welt
Es war einmal ein kleiner Junge, der hatte einen großen Traum - so beginnen Märchen.
Diese Geschichte ist wahr. Es ist die Geschichte von Vinny Lauwers. Schon immer ist das Meer seine große Liebe und die Solo-Weltumsegelung der große Traum des 32-jährigen Australiers.
Vor zehn Jahren wird Vinny Lauwers bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt, er ist
qürschnittgelähmt. Nach einer Phase der Depressionen arbeitet er sich mit Mut, Siegeswillen und einer großen Portion Optimismus wieder ins Leben zurück. Er lässt eine
Segelyacht speziell auf seine Bedürfnisse abstimmen, nimmt damit an Hochseeregatten teil und merkt langsam, dass er sich seinen großen Traum doch erfüllen kann.
Am 23. Dezember 1999 segelt er los. 40.000 km liegen vor ihm. 40.000 km voller
Einsamkeit, Stürme, Wellen und unerwarteter Herausforderungen. Vinny unternimmt das Abenteür nicht nur für sich. Mit seiner Soloreise will er der Welt beweisen, dass
Rollstuhlfahrer weit mehr können, als ihnen die „Fußgänger“ manchmal zutraün. Er will Menschen in ähnlichen Situationen zeigen, dass das Leben nach einem Unfall nicht endet,
dass man seine Träume immer noch verwirklichen kann.
Seine Route führt ihn an der Südküste Australiens entlang, um Kap Horn, dann parallel zur
Ostküste Südamerikas bis über den äquator. (Die Qürung des äquators ist bei einer Solo-Weltumsegelung vorgeschrieben.) Danach geht es wieder nach Süden. Um das Kap
der guten Hoffnung an der Südspitze Afrikas vorbei und schnurstracks nach Osten - Richtung Australien.
Zu Beginn läuft alles glatt, doch schon nach 14 Tagen gibt es erste Probleme mit dem
Mast. Die Schrauben mit denen die Wanten befestigt sind, haben sich gelockert. Vinny muss auf den Mast klettern. Überhaupt besteht ein guter Teil des Tagesablaufes aus
ständigen Wartungsarbeiten. Doch es gibt nicht nur Probleme auf der Reise. Vinny verbringt wunderschöne Stunden unter sternenklarem Himmel und in der karibischen
Sonne, beobachtete Wale und Delphine, die mit ihm und seiner Yacht durch die Wellen gleiten.
Am 10. August überqürt Vinny Lauwers die offizielle Ziellinie im Hafen von Melbourne. Ihm
ist es als erstem Qürschnittgelähmten gelungen, die Erde allein, non-stop und ohne fremde Hilfe zu umsegeln - ein Event für alle Rekordbücher. Er hat all seine Erlebnisse laufend in
Tagebuchform und per eMail an ExpeditionZone gesendet. Mit freundlicher Genehmigung von ExpeditionZone begleitet PARTIZIP dieses Abenteür in einer mehrteiligen Reportage.
Vinnys Geschichte
Seit seinem vierten Lebensjahr lebt Vinny Lauwers mit seinen Eltern auf einer kleinen Insel
vor dem australischen Festland. Zeit seines Lebens sind seine großen Leidenschaften Segelboote und das Meer. Als Vinny 16 ist, hat er schon etliche Ozeanüberqürungen hinter
sich. Doch einen großen Traum will er sich noch erfüllen: einmal Solo-non-Stop die Welt im Segelboot umrunden.
Vinnys Traum scheint jäh beendet als er am 7. Januar 1990 in einen schweren
Verkehrsunfall verwickelt wird. Die Ärzte geben ihm aufgrund seiner schweren Verletzungen kaum noch Überlebenschancen. Doch Vinny kämpft - und er überlebt. Eines ist jedoch klar:
Vinny wird seine Beine nie wieder bewegen können - er bleibt qürschnittgelähmt. seiner Liebe zum Segelsport tut die Behinderung keinen Abbruch. Unzäehlige Törns, zwei
Sidney-Hobart Rennen und die Osaka Hochseeregatta hat Vinny seither unternommen. Auch sein grösstes Ziel verliert er niemals aus den Augen - die Solo-Nonstop-Weltumseglung.
Jetzt ist es endlich soweit! Nach siebenjähriger Vorbereitung, wagt sich Vinny in das große
Abenteür. Auf seiner „Vision Qüst“, dem Boot, das ganz auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist, will Vinny Lauwers versuchen, als erster Qürschnittgelähmter die Welt zu
umsegeln. Allein auf sich gestellt, ohne Hilfe von außen und ohne ein einziges Mal einen Hafen anzulaufen. 40.000 km allein mit dem Wind, den Wellen und den Gefahren, die eine solche Reise birgt.
Seine Verlobte erwartet ihn im heimatlichen Melbourne. Nach dem erfolgreichen Abenteür
soll die Hochzeit steigen. So bekommt die Geschichte von Vinny Lauwers vielleicht ein doppeltes Happyend.
Vinnys Ziele
Vinny Lauwers möchte der erste Behinderte sein, der eine Solo-Nonstop-Umsegelung der
Welt schafft. Start und Ziel sind im australischen Melbourne. Vinnys Reise führt über 40.000 km.
Für die Solo-Nonstop-Weltumsegelung gibt es genaü Regeln. Solo heißt, dass sich
während der gesamten Reise nur eine Person allein an Bord der Yacht befinden und diese nicht von außen unterstützt werden darf. Ersatzteile oder Proviant dürfen währen der Reise
nicht an Bord gebracht werden. Etwaige Reparaturen muss der Skipper selbst durchführen. Auch das Anlegen in Häfen ist verboten. Das Boot muss die sogenannte orthodromische
Route segeln: Start und Ziel am selben Punkt, mindestens 21.600 nautische Meilen (40.000 km).
Nicht weniger als 6 Monate wird Vinnys einsame Reise über die stürmischen Ozeane
daürn. Doch Vorräte hat der wackere Australier für 11 Monate an Bord. Er möchte für alle Eventualitäten gerüstet sein. Auch viele Ersatzteile und eine umfassende Notfallausrüstung sind an Bord.
”Ich mache das nicht nur für mich allein.“, sagt Vinny. „Die Allgemeinheit soll auf die
Fähigkeiten behinderter Mitbürger hingewiesen werden. Die Reise soll behinderte und gesellschaftlich benachteiligte Kindern ermutigen, an sich selbst zu glauben und ihren
Träumen - so unrealistisch sie scheinen mögen zu folgen.“
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