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Die Tage vergehen wie im Flug. Viele Termine und
Pflichten bestimmen das Leben. Zeit wird mit unwichtigen Dingen verschwendet. Dann gehen die Uhren plötzlich anders, die Zeit scheint still zu stehen. Tage, Stunden, sogar Minuten ziehen sich in die
Länge. Es dreht sich jetzt nur noch um das wirklich Wichtige: das Leben, dass Herz eines Kindes.
Es ist die 22. Schwangerschaftswoche. Der Muttermund hat
sich viel zu früh geöffnet. Die Fruchtblase tropft. Das Leben ihres Sohnes ist in Gefahr. Der Muttermond von Heike Rhein wird zugenäht. Sie darf ihr Krankenhausbett nicht verlassen, nicht mal für die
Toilette. Sie hat alle Zeit der Welt. Zuviel Zeit. Sie quält die Frage, ob ihr Sohn gesund überleben wird. Zugleich genießt sie jeden Sonnenstrahl, jeden Windhauch, der sich in ihr Zimmer verirrt. Sie
nutzt die Zeit zum Lesen. Sie muss sich ausruhen und positiv Denken. Jeder Tag, an dem Aaron länger in ihrem Bauch bleibt, ist ein Tag der Freude.
Zehn Wochen später wird Aaron in der 32.
Schwangerschaftswoche geboren, acht Wochen zu früh. Es geht ihm sehr schlecht. Er hat einen schweren Herzfehler, mit dem er nicht überleben kann. Heike fühlt sich betrogen. „Wozu habe ich die letzten
zehn Wochen ertragen, wenn Aaron jetzt sterben soll.“ Für eine große Operation(OP) ist Aaron noch zu klein, aber ein erster Eingriff gibt ihm eine Lebensmöglichkeit.
Nach der Entbindung bestimmen Termine und Verpflichtungen
wieder den Alltag der ganzen Familie. „Ich muss meiner Tochter zuhause und meinem Sohn im Krankenhaus gerecht werden. Mein Mann unterstützt mich sehr, kümmert sich nach seiner Arbeit um eines der Kinder.
Auch die Großeltern helfe mit.“ Zeit ist knapp, ein Tag geht schnell vorbei.
Nach vier Monaten Kinderklinik kommt Aaron als Pflegefall
nach Hause. Die Operation zur Korrektur seines Herzfehlers ist noch nicht in Sicht. Das Leben wird anstrengender; die Eltern betreün Aaron jetzt 24 Stunden am Tag und auch seine Schwester Afra braucht
viel Zuwendung.
Im Alter von neun Monaten wird Aaron operiert. Er
übersteht die OP gut und fehlte ihm bis jetzt die Kraft sich zu entwickeln, so kann es jetzt losgehen. Ängste und Sorgen begleitet die Familie weiterhin, doch mit der Zeit werden sie gelassener. „Wir
haben in der Situation wo es Aron lebensbedrohlich schlecht ging gespürt, wie wertvoll und gar nicht selbstverständlich das Leben ist. Das Gefühl ist Gott sei Dank verblasst. Wenn ich aber sehr kranke
Menschen sehe, kommt alles wieder hoch. Jetzt, drei Jahre später, merke ich erst, welche Narben das Ganze bei mir hinterlassen hat.“
Je älter Aaron wird, umso „normaler“ ist das Leben für
alle. Die Zeit vergeht wie im Flug. Wieder bestimmen Termine und Pflichten den Alltag und die Zeit wird auch schon mal wieder mit Unwichtigem verschwendet. Dennoch bleiben Zukunftsängste. „Am meisten
stört mich die Frage der Lebenserwartung. Natürlich hat kein Arzt etwas zu Aarons Lebenserwartung gesagt, da Aarons Kreislauf auch nach der Operation seitenverkehrt fließt. Bei Aaron wird es zu Problemen
mit dem Herzen kommen – und zwar nicht erst mit 80 Jahren aus Altersschwäche, sondern eher; Das quält mich.“
rb
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