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PARTIZIP Reportage E- Rolli Town

E-Rolli-Town

Behinderte Menschen in den USA

 

(kobinet) Selbst denjenigen, die nichts von der behindertenpolitischen Geschichte der amerikanischen Stadt Berkeleys wissen, bleibt beim Bummel durch diese Stadt nicht verborgen, dass hier irgendetwas anders ist. In der Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern surrt es förmlich von E-Rollstuhl-Nutzern, die durch die Straßen fahren.

In Deutschland grenzt es in manchen Städten schon fast an ein Wunder, wenn man einem E-Rolli-Fahrer auf der Straße begegnet. In Berkeley begegnen einem völlig normal gekleidete Studierende in eleganten E-Rolli-Flitzern, geschäftsmäßig gestylte Rollifahrer oder übriggebliebene Hippies im E-Rolli. In der Gegend um das zentral in der Stadt gelegene Gelände der Universität von California sogar fast im Minutentakt. Dabei kommt es auch hin und wieder vor, dass die an einem Rolli angebrachten Boxen mit klassischen oder rappigen Tönen dröhnend durch die Straßen hallen. So vielfältig wie die Stadt mit ihren verschiedenen Kulturen, Lebensformen und übrig gebliebenen Hippies aus den 60er Jahren ist, so vielfältig sind auch ihre behinderten Einwohner.

Was sich in Berkeley ganz praktisch und deutlich zeigt, ist, welche Möglichkeiten eine barrierefreiere und offenere Stadt für behinderte Menschen bietet. Hier stellt die Nutzung eines Elektrorollstuhls eine fast selbstverständliche Fortbewegungsart dar und ist ein fast natürliches Hilfsmittel, das eingesetzt wird, um die zum Teil recht bergigen Strecken zurückzulegen. Auf diese Weise sind diejenigen, denen man auf der Straße in den unterschiedlichsten Gefährten begegnet, ebenbürtige Verkehrsteilnehmer, die an einem vorbeiflitzen.

Dass dies in Berkeley möglich ist, dazu tragen die vielfältigsten Behindertenorganisationen und eine konseqünte Politik für eine barrierefreie Stadt schon seit über 30 Jahren bei. Bereits 1972 öffnete in Berkeley das erste „Center for Independent Living“ seine Pforten, das als Vorbild für viele weitere Center und letztendlich auch für die deutschen Zentren für selbstbestimmtes Leben Behinderter diente. Neben der Beratung von Behinderten für Behinderte - Peer Counseling - betreibt das Center eine intensive Lobbyarbeit für eine barrierefreie Stadt. Viele Restaurants, die Uni, Geschäfte, Kinos etc. sind daher mittlerweile für Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen barrierefrei gestaltet. Behindertengerechte Toiletten sind dort keine Mangelware mehr.

Das „Center for Independent Living“ und die anderen Bürgerrechtsorganisationen Behinderter haben durch ihre Arbeit entscheidend zur Verbesserung des Selbstbewusstseins behinderter Menschen beigetragen. Das zeigt sich letztendlich in ihrem selbstbewussten Auftreten in der Stadt auch den unbedarften Besuchern Berkeleys. Statt sich mühsam an Stöcken durch die Stadt zu quälen, sich nicht aus dem Haus zu traün oder sich mit dem Fernsehen zufrieden zu geben, prägen hier behinderte Menschen das Stadtbild und mischen sich ein.

Ottmar Miles-Paul

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