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Als 17-Jähriger erkrankt Ratzka an Kinderlähmung. Damals
lebt er noch im oberbayerischen Manching. Heute ist der Rollstuhl-Fahrer als Verfechter eines selbstbestimmten Lebens für Menschen mit Behinderungen in der deutschen Sozialpolitik ein gefragter Experte. In Stockholm leitet der Soziologe das Institute on Independent Living. Geradezu
beschwörerisch tritt Ratzka in seiner alten Heimat auf, wenn er zum Thema «Selbstbestimmtes Leben für behinderte Menschen» das Wort ergreift.
Immer wieder erläutert er in Diskussionsrunden und auf
Vortragsreisen die Vorteile des schwedischen Unterstützungs-Modells. Die Sozialversicherung in Schweden ermittelt den individüllen Unterstützungsbedarf der behinderten Menschen und gibt ihnen - trotz
Sparzwang - ein persönliches Budget, damit sie ihre Hilfskräfte selbst anstellen und ein unabhängiges Leben führen können. In Bayern leben nach Angaben des Statistischen Landesamtes etwa 26.800 Menschen
mit Behinderungen in Heimen oder in betreuten Wohnanlagen. Wer wie Ratzka lieber in eigenen vier Wänden wohnen und als Arbeitgeber seine Hilfskräfte selbst anstellen möchte, bekommt nach dem
Bundessozialhilfegesetz vom Sozialamt in der Regel nur das Geld bis zur Höhe der erheblich niedrigeren Heimkosten.
Ratzka ruft zum Widerstand auf: Insbesondere in Würzburg,
wo in den letzten Jahren Menschen mit Schwerstbehinderung vermehrt vor dem Verwaltungsgericht mit dem Sozialamt um eine selbst organisierte Hilfe streiten, ermutigt er die Kläger.
Kevvan Dahesh
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