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PARTIZIP: Thomas Anders, Ihre Lieblingsfarbe ist schwarz?
Anders: Ja.
PARTIZIP:
Steht dieses Schwarz für eine melancholische Grundstimmung?
Anders:
Nein, ich glaube nicht. Das hat überhaupt nichts damit zu tun. Ich finde schwarz einfach schön. Eigentlich sieht schwarz immer sehr elegant aus. Es kann festlich sein, sportlich, ganz normal aussehen. Schwarz passt überall. Darüber hinaus ist es unheimlich beqüm, wenn man sehr viele schwarze Sachen im Schrank hat. Ich muss immer nur was rausziehen, es passt zusammen und es sieht immer gut aus. Schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, schwarzes Jackett. Das war vor 20 Jahren schick, und es wird in 20 Jahren noch schick sein.
PARTIZIP:
Könnte ich sagen, der Mensch Thomas Anders ist ein Ästhet?
Anders:
Absolut. Das kann ich 100%ig unterschreiben. Für mich ist es wirklich in jeder Lebenslage wichtig, ich nenne es mal so meine Lebensästhetik.
PARTIZIP: Was meinen sie mit Lebensästhetik?
Anders:
Sich mit ästhetischen Dingen zu umgeben, mit Menschen respektvoll umzugehen, was für mich auch eine Ästhetik hat.
PARTIZIP:
Ich frage, weil ästhetik ja auch als etwas schönes, etwas wohlgeformtes, etwas, was wohlgefällig ist verstanden werden kann. ästhetik und Behinderung, sind das für sie Begriffe, die sich beissen, oder gar ausschliessen?
Anders:
Das ist für mich eine ganz andere Ebene. Ich spreche von einer ästhetik, die in Formen, vielleicht in Farben, im Essen zum Ausdruck kommt. Ich halte den Menschen mal ganz aussen vor. Wenn ich das mit ästhetik kombiniere, dann komme ich natürlich ein bisschen ins Schleudern. Doch das ist ganz klar, weil es wirklich Situationen gibt, in denen Menschen nicht schön anzusehen sind. Das hat jetzt nichts mit Behinderung zu tun, aber jemand, der gerade frisch operiert ist, oder eine Frau, die gerade ihr Kind gekriegt hat.
PARTIZIP: Eine Geburt ist doch etwas sehr schönes.
Anders:
Natürlich schön, vom Empfinden her, vom Gefühl, von der Natur, von der Biologie, wirklich ein sehr schöner Vorgang. Aber niemand kann mir irgendwie erklären, wenn ich jemanden am offenen Herzen operiere, dass es schön ist. Doch zurück zu Behinderung, da muss man ganz andere Massstäbe setzen. Die Leute machen das ja nicht freiwillig, sie haben sich nicht in die Situation reingebracht. Ich würde den Begriff der ästhetik mit einem Gefühl einer ästhetik verbinden wollen.
PARTIZIP:
Es gibt in Deutschland Rechtssprechungen, in denen Urlaubern Schadenersatzansprüche zugestanden werden, weil sie ihr Essen gemeinsam mit behinderten Urlaubsgästen einnehmen mussten.
Anders:
Also haben wir hier zwei Irre. Einmal die Leute, die geklagt haben, zum anderen ist es diese Rechtssprechung! Wenn Sie mich jetzt fragen, was ich dazu sage, bedarf das für mich überhaupt keiner Diskussion. Ich meine, wir sprechen hier von Menschen, Mitmenschen. Auf so eine Idee würde ich nie kommen, also, ich meine, wo leben wir eigentlich; es ist so absurd für mich, dass ich kaum eine Antwort darauf finden kann.
PARTIZIP: Thomas Anders ist ein Familienmensch?
Anders:
Absolut, ja. Freunde, Familie. Deshalb lebe ich auch in Koblenz.
PARTIZIP: Familie heißt Kinder.
Anders:
Bestimmt, ich vermute, es klappt, ja. Wir haben noch ein bisschen Zeit. Eigentlich ist es blöde zu sagen, wir wollen den richtigen Zeitpunkt abwarten, aber momentan denke ich noch nicht soweit. Natürlich, ich bin jetzt noch nicht so lange verheiratet, ein Jahr. Und ich möchte, wenn es geht, meine Frau noch sehr viel dabeihaben, auf Reisen, logisch. Zum anderen möchte ich auch irgendwie Zeit fürs Kind haben, und wenn ich mir jetzt momentan meinen Terminplan ansehe, dann wärde mir das überhaupt nicht gefallen. Ja, ich könnte einfach nicht so dabei sein.
PARTIZIP:
Können Sie sich vorstellen, auch ein behindertes Kind zu haben?
Anders:
Das ist sehr hypothetisch. Wenn man so Anfang Zwanzig ist, dann sieht man das Leben viel positiver und das ist alles null problemo, obwohl es eigentlich genauso viel Probleme gibt, aber man macht sich nicht so diese Wahnsinnsgedanken. Ich habe einfach nur festgestellt, je älter ich werde, um so bewusster, intensiver und auch vorsichtiger wird man mit sich selbst, mit seinem Leben. Ich sag jetzt ganz einfach, das ist für mich kein Unterschied. Auch das Kind kann ja nichts dafür, also sagen wir jetzt, das Leben hat einem diese Aufgabe gegeben, und man wird dieser Aufgabe auch gerecht werden.
PARTIZIP: Es gibt ja auch Menschen, die von vornherein
sagen, dass sie ein behindertes Kind nicht auf die Welt bringen wollen.
Anders:
Es kommt vielleicht auch ein bisschen auf die Behinderung an, also, ich muss vielleicht unterscheiden, ist es eine Behinderung, die dem Kind eigentlich ein Leben in meinem Sinne gar nicht ermöglichen könnte, d.h. dass es auf die Welt kommt, geistig behindert ist, körperlich behindert ist und an Apparaturen hängt. Das ist für mich, ich muss mich da sehr vorsichtig ausdrücken, eigentlich nicht das, was ich als Leben definiere. Hat man mit einem Schwangerschaftsabbruch dann nicht eigentlich etwas Gutes getan?
PARTIZIP: Eine Diskussion über Abtreibung von
behinderten Kindern ist in unserer Gesellschaft immer eine Diskussion über "lebenswertes und lebensunwertes Leben"!
Anders:
Natürlich, das darf es nicht. Lassen Sie es mich anders erklären: Nehmen wir an, meine Mutter würde im Krankenhaus liegen und wäre durch einen Schlaganfall so stark behindert, dass sie sich selbst nicht mehr am Leben erhalten könnte. Wenn um sie herum nur noch Geräte wären, die sie am Leben erhalten, so, dass sie selbst im Grunde nicht mehr weiss, ob sie noch auf der Erde ist, dann würde ich, und das ist für mich wesentlich weniger hypothetisch, die Geräte abschalten.
PARTIZIP: Das wäre jetzt eine andere Diskussion.
Anders:
Also gut, hätte ich den Fall, dass ich Vater würde, und ich wüsste, dieses Kind ist ohne Maschinen nicht lebensfähig, dann würde ich auch dafür plädieren und sagen, bitte Schwangerschaftsabbruch. Es geht mir nicht darum, dass ich jetzt unterscheide zwischen, das Kind darf leben, das Kind nicht. Es sind eigentlich nur unsere Vorstellungen, die wir von Leben haben.
PARTIZIP: Genau das ist das Problem, hier eine Grenze zu
ziehen. Ich habe schon Menschen kennen gelernt, die nach einem Unfall aufgewacht sind und gesagt haben, ich will sterben. Sie konnten sich ein Leben im Rollstuhl nicht vorstellen. Zwei Jahre später geht es diesen Menschen ganz anders.
Anders: Sie sind froh, dass sie weiterleben.
PARTIZIP: Ja, natürlich.
Anders:
Ich könnte das natürlich nicht, ich bin ja kein Mediziner. Ich aus meinem Ledersessel, aus meiner Situation heraus, kann natürlich grosse Reden schwingen. Aber, ich glaube, ich wollte das für mich auch wieder von der positiven, von der Sonnenseite aus sehen. Ich glaub, ich wollte, wenn ich einen Unfall hätte und wäre behindert, wäre auch geistig behindert, eigentlich nicht mehr hier sein. Ich wollte, ich kann es mal kurz sagen, ich hab ein sehr tolles Leben, und wenn es morgen zünde wäre, hätte ich ein tolles Leben gehabt. Nein, ich wollte das nicht, dann wäre meine Uhr abgelaufen. Ich würde mich nicht wohl fühlen, wenn ich vielleicht nicht einmal selbst für mich entscheiden kann.
PARTIZIP: Hat das auch etwas mit Religion zu tun?
Anders:
Ich möchte einfach nicht als Hälle am Leben erhalten werden, das ist für mich nicht das Leben. Ich meine, wenn ich da irgendwo im Krankenhaus bin, und dann klopft die Maschine, und das Ganze, das ist grausam. Und ich möchte nicht jahrelang irgendwo hinvegetieren, an so einer Pumpe, und wenn Stromausfall ist, bin ich auch weg. Das mag ich nicht. Das gilt natürlich jetzt für mein Leben, ich fühle mich jetzt zu respektvoll, verstehen Sie. Wenn Schnitt ist, wenn es vorbei ist, dann soll es auch vorbei sein. Das hat für mich nicht direkt religiöse Geschichten. Alles, was kommt, wird irgendwann gehen. Das ist unsere Bestimmung, und ich füge mich in diese Bestimmung, obwohl ..... wir Menschen kämpfen ja, seit wir denken können, dagegen an.
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