Startseite
Illustrierte
Veranstaltungen
Fortbildung
Abonnentenbereich
Ab hier beginnt das Untermenue Interview
Michaela Schaffrath
Sarah Conner
Michelle
Brigitte Zypries
Michael Schumacher
Arabella
Thomas Anders
Guenther Jauch
Big Brother
Kai Pflaume
Hella von Sinnen
Partizip Illustrierte - Interview  Guenther Jauch

Interview mit Günther Jauch

Ralph Buessing und Guenther Jauch beim Interview

Partizip: Haben Sie einen persönlichen Bezug zum Thema Behinderung?

Jauch: Ja, ich habe einen Cousin, der an Kinderlähmung  erkrankt ist in den 50er Jahren. Wenn ich länger darüber nachdenken würde,  wärden mir wahrscheinlich noch mehrere einfallen, aber ich gebe zu, je länger man mit einem Menschen zu tun hat,
je mehr verwischt das auch und es ist gar  nicht mehr so entscheidend. Vor allen Dingen dann, wenn man sich mit Leuten streitet. Ich habe mich z.B. mit
Udo Reiker, mein Chef beim Bayerischen Rundfunk, der nach einem Unfall auch qürschnittsgelähmt ist, inhaltlich oft bis aufs Messer gestritten und habe dabei festgestellt, dass, wenn man mit jemandem  Probleme hat, man die Behinderung
ganz automatisch verdrängt.

Partizip: Sie hatten Wolfgang Schäuble zu Gast, was steht in so einem Gespräch für Sie im Vordergrund, seine Person als Politiker, oder der  Mensch mit seinem Schicksal ?

Jauch: Wolfgang Schäuble ist ein  gutes Beispiel. Als es darum ging, dass das Attentat
auf ihn verübt wurde,  und er aus dem Krankenhaus heraus die ersten Interviews gegeben hat, ging es, denke ich mal, fast ausschliesslich zu 100 % um seine Behinderung. Inzwischen  spielt die Behinderung, wenn man Wolfgang Schäuble in eine Sendung einlädt, keine Rolle. Schäuble ist damit selbst sehr an die Öffentlichkeit gegangen. Ich erinnere mich noch an diesen Stern-Titel, der sinngemäss hiess: Ein  Krüppel als Kanzler?

Partizip:Können Sie sich einen Kanzler  im Rollstuhl vorstellen?

Jauch: Ich weiss noch, dass unter Kollegen die Behindertendebatte geführt wurde, "... kann man den Alltag eines Bundeskanzlers körperlich im Rollstuhl durchhalten?". Wir waren uns zwar im  Grossen darüber einig, "Ja, das kann man", wir waren uns aber nicht einig darüber, ob das in der Bewertung für die Wähler eine Rolle spielen würde. Die Mehrzahl meiner Kollegen meinte, im Bewusstsein der Deutschen
würde das  eine Rolle spielen.

Partizip: Können Sie sich vorstellen, dass durch die stärkere Präsentation behinderter Menschen in den Medien eine  Bewusstseinsveränderung in der Gesellschaft herbeigeführt werden könnte?

Jauch: Ich weiss es nicht. Ich sage Ihnen mal ein für meine Begriffe positives Beispiel aus
den Medien. Es gab da letztens diese Serie mit Senta Berger und einem Bobby.
Einem Mann mit Down-Syndrom, der,  glaube ich, vielen, die die Krankheit oder Behinderung nicht kennen, sozusagen  die Angst und die Sorge genommen hat, und viele jetzt unbefangener auf Menschen mit einem Down-Syndrom zugehen können. Probleme habe ich grundsätzlich sagen wir  mal mit so Proporz-Besetzungen. Wenn Sie also beispielsweise sagen, 8 % aller im  TV befindlichen Moderatoren müssen
jetzt behindert sein. Das hielte ich für problematisch. Ich glaube, dass man Behinderten damit keinen Gefallen  tut.

Partizip: Auffallend ist, wenn behinderte Menschen im  Fernsehen gezeigt werden, es in der Regel Ausnahmebehinderte sind, die etwas ganz Besonderes getan haben. Ist das
denn der richtige Weg  ?

Jauch: Es ist natürlich auch so, dass auch Nichtbehinderte  etwas Besonderes leisten
müssen, um in den Medien aufzutauchen, sei es eine sportlich herausragende
Leistung oder im Theater mit einer besonderen Rolle. Ich glaube, dass man da den Nichtbehinderten Unrecht tut, wenn man sagt, dass  sie einfach so normal im Fernsehen sind, und Behinderte eine herausragende  Leistung bringen müssen. Ein Nichtbehinderter, der sehr mässig Klavier spielt, hat im Fernsehen keine besondere Chance, wenn er ein richtig guter Pianist ist, dann schon eher. Dadurch, dass Michel Petruciani ein so herausragender Pianist war, hat er dieses
Forum bekommen. Ich will einräumen, dass es  speziell für Medienmenschen diese Ambivalenz "tolle Leistung" und "der ist im übrigen auch behindert" manchmal reizvoll ist, diesen Aha-, Ach-ja-Effekt  hervorzurufen.

Partizip: Was halten Sie von der Aktion  Sorgenkind ?

Jauch: Ich habe grosse Probleme mit dem Namen Aktion Sorgenkind. Also erst mal der Begriff "Kind" ist total daneben, und dann dieses übers Köpfchen streicheln: "Sorgenkind", das ist für mich in doppelter  Hinsicht total daneben. Ich bin dafür,
dass man den Namen abschafft

 Möchten Sie andere interessante Interviews komplet lesen? Dann bestellen Sie PARTIZIP!